Der Buskauf

Ich weiß nicht mehr, wann ich zum ersten Mal in den einschlägigen Gebrauchtwagenbörsen nach einem geeigneten Gefährt für die Reise suchte. Aber ich weiß, dass ich seitdem unglaublich viel Zeit mit dieser Suche verbracht habe.

Am Anfang war ich noch offen für alles, was vier Räder und ausreichend Platz im Innenraum für minimalistisches Wohnen bot. Doch nach zahlreichen Gesprächen mit erfahrenen Buscampern und Autokennern sowie dem ausführlichen Lesen von Foren zu entsprechenden Themen, wusste ich mehr. Allerdings hilft Mehrwissen nicht unbedingt gleich weiter, weil es die Möglichkeiten doch erheblich einschränkt. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, nach der wohlbekannten eierlegenden Wollmilchsau zu suchen.

Der Bus, den wir suchten, sollte uns zuverlässig nach Istanbul und wieder zurückbringen. Sprich: Rund 5000 Kilometer. Der Verbrauch und die laufenden Kosten durften nicht zu hoch sein und der Preis sowieso nicht. Für jeden Aspekt gab es mindestens ein Gegenargument. Benziner der Altersklasse, nach der wir suchten, verbrauchen zu viel, Diesel haben selten eine grüne Plakette. Für Automarken aus Frankreich, Italien und co. sind Ersatzteile oft recht teuer, deutsche Fabrikate sind meist im Ankauf trotz hohen Alters noch ziemlich hochpreisig.

Mit all den Infos, die ich mir über Wochen aneignete, wusste ich irgendwann überhaupt nicht mehr, wonach ich suchen sollte. Hinzu kam die Hürde, sich den einen oder anderen im Netz gefundenen Wagen auch einfach mal anzusehen. Irgendwie wollte mir am Anfang diese Transferleistung von Virtualität zur Realität nicht so recht gelingen. Vermutlich auch, weil ich mich trotz all der gesammelten Informationen immer noch vollkommen unwissend fühlte.

Eines Tages im April war es dann aber soweit. Ich hatte mich in den Wochen davor entschieden, ganz konkret im Raum Bremen nur nach VW T4-Bussen zu suchen. Einer von den zugegebenermaßen recht spärlichen Angeboten in der Region weckte mein Interesse: Geschlossener Kasten, Wohnmobilzulassung, zwei Schiebetüren, Benziner mit LPG-Anlage aufgerüstet. Angerufen, hingefahren, angeschaut, nach ein paar Tagen abgesagt. Zu teuer, LPG-Tank im Raum, in dem man auch schläft… mh. Zehn Tage später ein neuer Versuch: Diesmal ein Diesel, aber grüne Plakette, sprich Rußpartikelfilter, Verkauf von Händler. Angerufen, hingefahren, angeschaut, nach ein paar Tagen nochmal hingefahren, Probefahrt zur Werkstatt, Kfz-Schrauber riet davon ab. Der schwarz-blaue Qualm selbst im Standgas war auch mir nicht entgangen, Verdacht auf Motorschaden, Bus zurückgebracht und Kauf abgelehnt. Bei beiden Entscheidungen war übrigens die Erleichterung das vorwiegende Gefühl, was ja wohl ein gutes Zeichen ist.

Inzwischen hatten wir Mai und noch drei Monate bis Abfahrt. Es kam die dritte Besichtung eines T4, der bei Hildesheim stand. Weißer Diesel, grüne Plakette, 88 PS, kaum Rost. Hingefahren, angeschaut, Probefahrt zur Werkstatt in der Nähe, positive Einschätzung vom Kfz-Meister (nebenbei: in dieser Werkstatt arbeitete ein Schrauber, der original wie Brad Pitt vor 20 Jahren aussah), mit Verkäufer noch ein bisschen verhandelt, auf Preis geeinigt, Handschlag. Zehn Tage später holten wir den Bus ab. Yeah!

Das ist der aktuelle Stand der Dinge. In den nächsten Woche wird aus dem Siebensitzer ein Wohnmobil. Werde das hier dokumentieren.

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