Ey Mann, wo is‘ mein Auto?!?

Dies ist die Geschichte darüber, wie wir zu einem kostenlosen Parkplatz auf Lebenszeit in Zürich kamen.

Heute morgen fanden wir die Stelle, an der gestern noch unser Bus parkte, so vor:

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Weg, verschwunden, eindeutig nicht mehr da. Natürlich war der Schock groß. Nach einem Anruf bei der Zürcher Abschleppzentrale wussten wir mehr: Der Wagen wurde nicht gestohlen, sondern heute morgen zwischen 8 und 9 Uhr abgeschleppt. Kostenpunkt: 400 Schweizer Franken, was ungefähr 330 Euro sind, was wiederum eine Menge Ärger im Bauch heißt, weil das ja nun wirklich keine Peanuts sind und unsere Reisekasse dadurch natürlich außerplanmäßig beansprucht wird.

Parkplätze in Zürich sind rar und heiß begehrt. Eigentlich ist hier fast jeder Autoabstellplatz in irgendeiner Form vermietet oder zumindest ausdrücklich nur für Anwohner reserviert. Alle anderen sind zahlungspflichtig und meistens nur für ein paar Stunden zu besetzen. Der Platz, auf dem unser Bus stand, gehört zum Haus unserer Freunde. Ein großes Haus mit Wohnungen und Firmensitzen. An allen Parkplätzen, die auf dem Gelände um das Haus herum existieren, stehen Firmenschilder bzw. Autokennzeichen, derjenigen, die diese Plätze angemietet haben. Entlang der Mauer, die oben im Bild sichtbar ist, sind insgesamt rund 10 Plätze, an denen bis auf drei jeweils ein Parkverbotschild mit Abschlepphinweis hängt. Auf einem der drei ohne Schild standen wir, weil eine Hausmitbewohnerin gesagt hatte, dass es dort kein Problem geben dürfte, weil bisherige Gäste hier noch nie Probleme hatten. Tja, irgendwann ist immer das erste Mal …

Eben weil die Parksituation hier nicht so ganz eindeutig ist, hatten wir einen Zettel mit Telefonnummer hinter die Winschutzscheibe gelegt. Half alles nichts, der Wagen war weg.

Als nächstes folgte der Gang zu dem Abschleppdienst, zu dem unser Bus gebracht wurde. Zum Glück nur zehn Minuten zu Fuß. Der Abschleppmann, auf den wir dort trafen, wusste sofort Bescheid (Deutschsprachige = deutsches Kennzeichen) und erklärte uns überaus höflich, dass ihm die Frau, die das Abschleppen heute morgen veranlasst hatte, einen Mietvertrag für den Parkplatz vorlegen konnte. Auf der Vollmacht, die er uns entgegen streckte, ließen sich Praxisname und -adresse der Auftraggeberin erkennen.

Also, wir – mächtig auf Krawall gebürstet – die Füße in die Hand und ab zu der Praxis, die uns den heutigen Tag so viel hat kosten lassen. (Den Bus ließen wir erstmal beim Abschleppdienst. Das ersparte uns wenigstens leidiges Parkplatzsuchen. Außerdem wird er so nicht gleich wieder abgeschleppt. Mehrkosten entstehen laut Abschleppmann dadurch nicht. Reicht ja auch so schon.) Vor der Praxis angekommen, besannen wir uns, dass man ja meist mit Freundlichkeit mehr erreicht als mit Vorwurf und Krawall.

Wir also rein (was genau wir uns eigentlich von dieser Aktion erhofften, wussten wir wohl selbst nicht). Ein langer Flur empfängt uns. Am Ende steht eine Frau von ihrem Schreibtisch auf. Sie scheint hier an diesem Tag alleine zu arbeiten. Sie bleibt in der Tür stehen und sagt: „Sie sind hier bestimmt falsch, oder?!“ Und Tom: „Da bin ich mir nicht so sicher.“ Dann fragt er, ob diese Praxis Parkplätze auf dem Nachbargelände gemietet habe. Sie hält sich mit der Anwort zurück und fragt im Gegenzug, warum wir denn mit dieser Frage hierher kämen. Was sich dann in den nächsten 15 Minuten abspielt, kann ich eigentlich nur mit zwei Worten beschreiben: Es menschelt.

Nachdem die gute Dame sich erst ein wenig ziert und zunächst die schlechte Parksituation Zürichs beschreibt, kommt sie dann doch ganz von alleine darauf zu sprechen, warum sie heute morgen den Abschleppdienst gerufen hat. Sie habe unseren Bus schon gestern wahrgenommen, sei dann heute morgen unter Stress zur Arbeit gekommen, sah, dass der Wagen immer noch einen der teuer angemieteten Parkplätze blockierte, die ohnehin ständig von Fremden besetzt seien, und ließ ihn kurzerhand abschleppen. Morgen sei der Chef und Patienten wieder in der Praxis, der Platz müsse einfach für das Tagesgeschäft verfügbar sein. Irgendwie ja auch ihr Job. Hinweisschilder für ihre gemieteten Plätze zeigt sie uns auch. Sie seien noch nicht angebracht, weil es noch einen Platzwechsel geben wird.

Zunächst habe ich das Gefühl, dass wir hier nichts erreichen werden. Doch dann gibt es einen Punkt, an dem die Situation irgendwie weicher wird. Sie merkt, dass wir ihr nichts Böses, sondern eigentlich einfach nur verstehen wollen. Wir erwähnen, dass uns die Aktion 400 Franken kostet, erzählen von unseren Reiseplänen und fragen, ob sie den Zettel mit Telefonnummer nicht gesehen hat. Sie beginnt mehr und mehr zu begreifen, dass es tatsächlich absolut die Falschen getroffen hat. Wieder und wieder entschuldigt sie sich, beteuert ihr schlechtes Gewissen. Es fließen sogar ein paar Tränchen. Nicht nur bei ihr.

Schließlich sagt sie, wir sollen uns jederzeit bei ihr melden, sobald wir wieder hier seien. Wenn es der Terminplan irgendwie zuließe, hätten wir über sie einen Parkplatz auf Lebenszeit – quasi als einzige Wiedergutmachung, die in ihrer Macht steht. Als ich erwähne, dass ich Journalistin bin und nicht umhinkommen werden, davon in unserem Blog zu berichten, schlägt sie lachend die Hände über dem Kopf zusammen und schreibt sich die Webadresse auf. (Falls Sie das hier lesen, Frau D.: Schöne Grüße. Fragen Sie doch mal Ihren Chef, ob er nicht noch etwas aus seiner Kaffeekasse zu unserer Reise beisteuern möchte.)

Das war die Geschichte davon, wie aus einem wirklich teuren Parkieren (wie der Schweizer sagt) der wahrscheinlich günstigste Parkplatz auf Lebenszeit wurde. Jetzt müssen wir erst recht wiederkommen. Aber dafür gibt es bei weitem noch viel bessere Gründe.

Morgen fahren wir weiter. Gen Osten. Mal sehen, welche Abenteuer uns dort erwarten. Hoffen wir mal, dass die dann zwar „aben“ aber nicht so „teuer“ werden.

1 Comment

  1. Welch schöne Geschichte!
    Schickt die bitte mal dem Karnevalsprinz 2002!
    Als ich mein Auto dem Rosenmontagszug in den Weg gestellt hatte, hätte ich auch gern einen ewigen Parkplatz in Köln bekommen…Falschparken im Kölner Karneval ist noch teurer als in Zürich!
    Viel Spaß noch!

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