Kleines, feines Land

Slowakei. Irgendwie kommt uns hier alles vor, wie das westliche Europa vor 30 Jahren. Die Dame in der Touri-Information in Rasnava – im Südosten des Landes – spricht nur wenig Englisch und muss erst in einer der hinteren Schubladen nach eine Karte der Region suchen. Mein Besuch bei ihr scheint überraschend zu kommen. Als ich nach einem Campingplatz frage, schaut sie zweifelnd drein. „Very few“, sagt sie. Dann erklärt sie mir den Weg zu einem fünf Kilometer entfernten Dorf. Da sei ein Campingplatz. „But you have to call a number, when you arrive.“ Ok, das klingt nach Abenteuer. Wir fahren zurück. Denn wir sind schon durch das Dorf durchgekommen, haben auch Schilder gesehen, die aber keine Richtung verraten haben. Beim zweiten Durchfahren entdecken wir ein kleines handgemaltes Schildchen, das nach rechts in eine schmale Gasse zeigt. Am Ende erwartet uns ein Tor. Natürlich verschlossen. Immerhin scheint am Ende des Weges wirklich etwas campingplatz-ähnliches zu sein. Ein paar Dörfer zuvor waren wir auf Hinweis eines Schildes von der Hauptstraße abgebogen, aber nicht beim erhofften und angezeigten Stellplatz, sondern unmittelbar in einem heruntergekommenen Straßenabschnitt gelandet. Bevölkert von jungen und alten Menschen. Alle erkennbar anders als der Rest der slowakischen Bevölkerung, alle ärmlich. Roma, die gleichermaßen scheu und neugierig zu uns ins Auto schauten. Zwei Prozent machen sie hier aus.
Nach unserem kurzen Besuch in Bratislava, einer Überlandfahrt über holprige Straßen mit zahlreichen Schlaglöchern und einer Nacht im Bus am Ende eines ruhigen, kleinen Dorfes haben wir uns vorgestern in östlichere Gefilde der Slowakei aufgemacht. Eine autobahnähnliche Straße bringt uns in die Inneren Westkarpaten. Wir biegen auf eine Landstraße ab und schrauben uns in die Berge. Als sich linker Hand eine große Wiese mitten in den Wäldern auftut, machen wir Pause. Nicht nur die Wiese hat unsere Aufmerksamkeit erregt, sondern vor allem die Ruine eines riesigen Denkmals, das sich hier einst mit kommunistischer Mächtigkeit in die Höhe gestreckt hat. Nun liegt der große Turm danieder. Ein paar welke Blumenkränze liegen am Fuße der Skulptur. Dem Sozialismus wird hier offensichtlich immer noch gehuldigt. Wenige Kilometer weiter beginnt ein jetzt im Sommer ausgestorbenes Skireservat. Unsere Route bringt uns  durch Dörfer, deren Straßen gesäumt sind von neuen, abgeriegelten Häusern neben alten, ruinenartigen Gemäuern. An Kreuzungen bieten Roma gesammelte Pilze und Beeren sowie Brot feil.
Die Eishöhle, die wir uns anschauen wollen, hat montags geschlossen. Und es ist Montag. Also landen wir schließich vor jenem verschlossenen Tor, hinter dem sich der ersehnte Campingplatz (v)erst(r)eckt. Die Schilder am Gatter sind natürlich auf Slowakisch. Aber eine (Telefon?)nummer lässt sich ausmachen.
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Tom ist inzwischen zufuß zum Campingplatz vorgedrungen, kann aber auch nichts erreichen, weil er trotz laufendem Radio im Innern der Rezeption niemanden antrifft. Als wir endlich herausgefunden haben, dass wir die slowakische Ländervorwahl nicht wählen müssen, meldet sich nur ein Anrufbeantworter. Ich verstehe kein Wort und lege wieder auf. Kurze Ratlosigkeit, während ein kleiner Junge mit einer noch kleineren Katze am Wegesrand neben dem Bus spielt. Ich gehe noch einmal zur Rezeption hoch. Und als ich gerade oben ankomme, höre ich den Bus und Tom kommt um die Ecke gefahren. Ein junger Mann hat das Tor aufgeschlossen. Kurz danach kommt Maria angeradelt, nimmt sieben Euro für eine Nacht, sagt, wir könnten uns hinstellen, wo wir wollen, und ist auch schon wieder weg. Wir sind die einzigen Gäste in dieser Nacht.
Die Eishöhle war dann nicht so spannend. Dafür ist Kosice, wo wir aktuell sind, umso schöner. Von unserem kleinen Stellplatzabenteuer der letzten Nacht, erzähl ich ein anderes Mal. Vorerst sei festgehalten: Die Slowakei ist ein wahres Wunderreiseland. Absolut empfehlenswert!

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