Wenn Chipstüten sich aufplustern

Jetzt mal ganz ehrlich – wer hat schon mal eine Nacht auf 2500 Metern über Null bei Gewitter verbracht? Also, wir seit letztem Donnerstag schon. Beruhigenderweise hatten wir unseren Bus als Faradayschen Käfig dabei. Aber so richtig gut geschlafen haben wir trotzdem nicht.

Wer auch immer die Idee hatte, oben am Rande des Bucegi-Nationalparks zu nächtigen – die beste war sie, im Nachhinein betrachtet, nicht. Doch als wir nach langem Durchfragen endlich die Straße, die den Berg hinaufführt gefunden haben, ist es noch hell und das Wetter ist mit 20 Grad und Sonnenschein ganz passabel. Dass sich das oberhalb der Baumwuchsgrenze in den Wolken schnell ändern kann – daran denken zwei solch Nordlichter wie wir natürlich erst, als wir schon oben sind und die ersten Regentropfen zu fallen beginnen. Doch die Landschaft hier ist so atemberaubend, dass wir bis zum Einbruch der Dunkelheit vorwiegend mit Gucken beschäftigt sind. Und wir freuen uns über das Aussehen der Chipstüte, die wir von unten mitgebracht haben.

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Erst als die Nacht alles beginnt zu verschlingen und auch die auf Augenhöhe vorbeiziehenden Wolken uns endgültig die Sicht nehmen, wird uns ein wenig unbehaglich. Doch wir beruhigen uns mit dem Gedanken, dass hier schließlich auch Schäfer mit ihren Herden unterwegs sind und in gar nicht all zu weiter Entfernung ein Hotel oder ähnliches vor sich hinleuchtet.

Nachts wache ich auf, weil Tom sagt: „Das Wetter wird gerade schlechter.“ Der Wind rüttelt in Böen gewaltig am tapferen Bus und der Regen prasselt unnachgiebig auf das Dach. Blitze erhellen die Umgebung. Sie besteht allerding nur noch aus einer einzigen Wolke. Wir sind verunsichert, weil wir keine Ahnung haben, wie gefährlich die aktuelle Situation eigentlich ist. Was wir wissen ist, dass sich Blitze gerne Erhebungen und hohe Punkte sowie Metall zum Einschlagen aussuchen. Und wir sitzen in einem riesigen Metallhaufen recht exponiert auf 2500 Metern. Wir schenken trotz aller Bedenken der Faradayschen Theorie Glauben, dass wir im Auto geschützt sind.

Als ich das nächste Mal aufwache, dämmert es schon. Ein gelber Schimmer liegt in den Wolken, die immer noch vom Sturm zerfurcht über die Hocheben rasen. Das Sonnenlicht scheint sie zu färben. Der Gedanke, dass die Nacht überstanden ist, lässt mich beruhigt noch einmal einschlummern.

Nach acht Stunden, die wir mehr oder weniger geschlafen haben, zeigt sich der Morgen immer noch rau und regnerisch. Wir frühstücken fröstelnd und blicken in die sich langsam lichtenden Wolken. Eine Schafherde zieht vorbei, deren Hütehunde uns einen kurzen Besuch am Bus abstatten. Als der Wind endlich die Regenwolken wggetragen hat, wagen wir einen Spaziergang in die Hügel. Immer noch scheint die Landschaft um uns von dichten Wolken verschluckt zu werden. Nach einigen 100 Metern kehren wir um. Der Wind macht Ohrenschmerzen.

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Inzwischen haben wir das Donau Delta erreicht. Das Schwarze Meer ist schon sehr nah. Eine ganz andere Landschaft eröffnet sich hier und ein Campingplatz bildet für uns aktuell eine willkommene Basis, um nach all den Abenteuern endlich mal wieder zu entspannen. Nette Menschen haben wir hier getroffen.

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Die Beiden sind seit 17 Monaten unterwegs und bis nach Indien gefahren. Sie waren im Iran, in Pakistan, sind im Himalaya gewandert und über die Mongolei und Russland wieder gen Europa gefahren. Auf einmal scheinen 2500 Meter gar nicht mehr so hoch.

Ganz lieben Dank den Beiden für all die hilfreichen Dinge und die gute Zeit voller interessanter Geschichten. Wer mehr lesen möchte, kann das tun unter http://www.rutenmobil.npage.de

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