Über Stahl- und Steinhaufen

Drei bis fünf Stunden Schlaf – mehr waren es in der Nacht von Sonntag auf Montag nicht. Mit einer Stunde Verspätung legt unser Schiff, das uns nach Italien bringt, in Igoumenitsa an der Westküste Griechenlands ab. Zuvor wird der riesige Rumpf des schwimmenden Stahlhaufens vor unseren staunenden Augen mit unzähligen LKWs beladen. Die meisten von ihnen rangieren rückwärts über die Laderampe ins Schiffsinnere. Sie werden vom trillerpfeifenden Verladepersonal zentimetergenau eingewiesen.
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Zum Glück dürfen wir schließlich unseren Bus vorwärts über drei steilen Rampen auf Parkdeck Sieben fahren. Wummern und Gestank empfängt uns beim Aussteigen. Wir verabschieden uns vom Bus, den wir während der Überfahrt nicht besuchen dürfen, und erkunden erstmal das Schiff. Wir schleichen durch die Gänge, übers Außendeck, an Restaurants und Lounges vorbei. Überall haben Passagiere ihre Nachtlager augeschlagen. Auch wir haben keine Kabine gebucht und damit fast die Hälfte des Preises für die 16 Stunden Überfahrt gespart. Dafür ist aber alles andere an Bord recht teuer.

In einer TV-Lounge lassen wir uns auf einem Sofa nieder und kringeln uns ein. Immer wieder brüllt uns der Fernseher mit schlechten griechischen Serien aus dem Schlaf. Ich träume von griechisch-italienischem Stimmengewirr, von riesigen Lastwagen, von Trillerpfeifen, von Stränden und Buchten mit weißem Sand. Noch vor wenigen Stunden nämlich waren wir auf der Suche nach einem geeigneten Platz, um die Zeit bis zur nächtlichen Abfahrt des Schiffes zu überbrücken, auf ein kleines Strandcafé gestoßen. Ein Klischee, wie es in jedem Reisekatalog zu finden ist: Türkises Wasser, weißer Strand, kleine Tische und Stühle unter schattenspendenen Reetschirmen. Erfrischende Säfte, säuselnde Loungemusik, im warmen Meer planschen. Wundervoll.

Um halb acht scheucht uns der Loungeoberaufseher an Bord der „Cruise Olympia“ von unserem Sofa hoch. Nicht nur uns, sondern auch alle anderen Schlafenden weckt er. Offiziell ist es nicht erlaubt, in den Verzehrbereichen zu nächtigen. Wir finden das ziemlich krude – macht aber nichts, wir wollten eh gerade an Deck und der Sonne beim Aufgehen zuschauen. Der Bordkaffee schmeckt nach dem verzweifelten Versuch, die Vorfreude auf Italien zu wecken. Das teuer dazu gekaufte Gebäck hingegen ist wie ein letzter Wink vom Ufer des schönen Griechenlands.

Ja, das schöne Griechenland. Wir waren in den sechs Tagen zwar nur im Norden von Ost nach West unterwegs. Das hat aber gereicht, um sicher zu sein, das wir wiederkommen. Thessaloniki war als furchtbar unruhige, aufgewühlte Stadt der einzige negative Punkt.

Absolut ausgleichendes Highlight: Meteora. Ein Dank für den Tipp geht in heimatliche Gefilde. Die 100 Kilometer Umweg haben sich absolut gelohnt.
Wir kommen schon im Dämmerlicht an und dennoch können wir die riesigen Felsformationen noch deutlich gegen den Himmel erkennen. Schwarz ragen sie empor und wir ahnen, dass der nächste Tag erinnerungswürdig wird. Im Schatten der Felswände übernachten wir auf einem Campingplatz.
Schon nach wenigen Metern, die wir den Bus am folgenden Mittag in die Berge hineingefahren haben, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Natur hat hier beeindruckende Arbeit geleistet. Über Jahrtausende entstanden durch Erdbeben und Umspülungen freistehende Riesenmonolithen. Und als wenn dieses Bild der schroffen Felswände, grün bewachsenen Steilhänge und dunklen Schluchten nicht schon atemberaubend genug ist, kam dann der Mensch und baute im 14. Jahrhundert Klöster in und auf die Felsen. Sechs davon sind heute noch in Betrieb.
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Wir staunen den ganzen Tag lang, scheuchen den Bus die steilen Straßen hinauf und kraxeln über Treppen und Wege zu Klöstern und Aussichtspunkten. Ein immer wieder neues Bild, eine neue Perspektive mit stets bewegendem Panorama eröffnet sich uns. Auch weil sich an den Felshängen hier und da Kletterer ausmachen lassen, die in Meteora ein wahres Mekka gefunden haben. Vom ganzen Höhenschwindel und Tiefenrausch sind wir abends hundemüde.

Ja, schönes Griechenland. Wir kommen wieder.

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