Wie die Geyer?

Erzgebirge, Sachsen. Der Bus und wir fahren über Hügel und Berge und durch tiefe Täler. Bei den steilen Anstiegen kommt unser Gefährt(e) ganz gut ins Schwitzen. Obwohl – genau genommen lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Viel mehr tuckert er einfach nur seeeeeehhhhr langsam die Steigungen hoch und produziert teils recht lange Schlangen ortskundiger Schnellerfahrer*innen hinter uns. Die meisten von ihnen üben sich vorbildlich in Geduld.

Die vergangenen Tage haben wir im Elbsandsteingebirge verbracht, waren wandern, übernachteten mal hier, mal dort. Verschaften uns einen wortsinnlichen Überblick. Und können festhalten: Es ist wunderschön dort. Maler, Künstler, Dichter – es wundert kaum, dass ihr euch seit so vielen Jahrhunderten an dieser Landschaft gütlich tut.

Nun sind wir auf dem Weg von der Sächsischen in die Fränkische Schweiz. Dabei durchfuhren – oder besser durchtuckerten – wir nun also das Erzgebirge, welches an sich und sicher an den allermeisten Stellen auch sehr ansehnlich ist. Gen Abend kamen wir in den Ort namens Geyer. Ich kommentierte beim ersten Durchfahren lediglich eine Deutschlandflagge, die sich über ein Kleingartengebiet erhob, wie sie es in anderen Gartenkolonien dieses Landes ja nun auch sonderbarerweise zu pflegen tun. Ansonsten fiel uns nichts Seltsames auf. Kurz hinter dem Ortsausgang wurde ein Wanderrastplatz angekündigt, auf dem wir uns dann auch für die Nacht bereitstellten.

Ich verließ den Bus und schlug mich gewissermaßen ins Unterholz entlang des Parkplatzes, um ein stilles Plätzchen zu finden. Doch je länger ich durch die trockenbraune Nadelbaumunterwelt knackste, desto dringender wollte ich wieder weg von diesem Ort. Höchster Verunreinigungsgrad mit allem menschlichen Unrat, den man sich so vorstellen kann. Taschentücher, Kondome (nicht nur die Verpackungen), Zigarettenschachteln, Bierdosen… meine Fantasie sprang an und lieferte mir jede Menge Bilder, die ich nicht sehen wollte.

Als ich zurück kam zum Bus (ohne eine Plätzchen für mich gefunden zu haben), war auch bei Tom bereits der Eindruck entstanden, dass dies kein schöner Ort für eine Übernachtung sei. Parkgebührenautomat und fehlende Mülleimer inklusive Hinweis, dass an illegales Müllabladen gar nicht erst zu denken sei, weil der Bereich videoüberwacht sei, ließen uns ziemlich unerwünscht fühlen.

Schnell waren wir wieder vom Platz und fuhren zum anderen Ende von Geyer, wieder an der Deutschlandflagge vorbei, diesmal schon mit einem nicht mehr ganz so urlaubsverklärten Blick. An besagtem anderen Ende lockten uns ein Autokino sowie ein großes Freizeitbad an.

Zunächst allerdings passierten wir erneut einen riesigen Parkplatz, leer. Wieder mit Parkscheinautomat. Dann kam das noch leere Autokino, das irgendwie auch nicht all zu einladend aussah. Als wir dann erkannten, dass selbst den Freizeitbadgästen noch Geld fürs Parken abgeknüpft werden sollte, verließen wir mit quietschenden Reifen die Stadt. Der Bus nahm auf einmal die ansteigenden Straßen mit einer gewissen Leichtigkeit und kam schließlich mit Erleichterung nur wenige Kilometer weiter am Rande eines wunderschönen Naturschutzgebiets zum Stehen. Es sollte einer der schönsten Stellplätze unserer bisherigen Reisen werden.

Wir fragen uns bis jetzt, was zum Geier in Geyer schief gelaufen ist, dass wir uns als Gäste dort so unwillkommen gefühlt haben. Die Stadtverwaltung mag ihre Gründe haben, uns aber schlugen dadurch ein ziemliches Misstrauen und Unerwünschtheit entgegen. Unser aktueller Stellplatz beweist, dass das auch anders geht: 12 Euro für die Nacht, dafür Parken, Übernachten, WCs, Duschen, Waschmaschine, Trockner, Trinkwasser, Müllentsorgung, Strom, Internet. All inclusive!

Der Vollständigkeit halber: Unser Trip begann mit ein paar Tagen in Dresden. Die kurzen aber umso überzeugenderen Eindrücke sollen natürlich nicht vorenthalten bleiben:

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