In Italien endet das Jahr schon im Oktober

Die erste Nacht in Italien verbringen wir auf einem Penny-Parkplatz. Wir sind nach der Überfahrt zu müde, um noch nach einem besseren Stellplatz zu suchen. Tagesordnungspunkt Nummer Eins für den folgenden Tag: einen Campingplatz finden. Duschen wäre toll und auch mal Wäsche waschen.
Nach zehn Stunden Schlaf und einem kleinen Einkaufsbummel für das wohlverdiente Frühstück (ein Supermarktparkplatz als Übernachtungsplätzchen hat auch Vorteile) machen wir uns auf. Wir fahren die Küstenstraße von Ancona Richtung Norden und stellen schnell fest, dass wir meerestechnisch von den letzten Wochen arg verwöhnt wurden. Hier an der Adria, südlich von Rimini ist alles sehr zugebaut. Das sorgt zwar nicht gerade für ein schönes Ambiente, aber dient unserem Ziel, einen Campingplatz zu finden, was sich in anderen Gegenden auf unserer Tour ja bekanntlich oftmal als nicht so einfach erwies. Hier gibt es genügend Plätze, aber es zeigt sich ein ganz anderes Problem. Es ist der 30. September und damit Ende der Saison. Auch auf den Plätzen, die noch offen scheinen, bekommen wir mehrfach die Aussage, man schließe heute. Mist, also keine Dusche. Wäschewaschen haben wir ohnehin schon auf Bologna verschoben, wo wir noch eine Freundin besuchen wollen.
Wir studieren nochmal unseren Stellplatzführer, der uns verrät, dass es in der Nähe im Landesinnern einen Parkplatz bei einer Burg gibt, auf dem Wohnmobile gestattet sind.
Als wir ankommen, stehen zwei weitere größere Mobile schon dort. Es gibt frisches Wasser und eine Toilette in der Nähe. Super.
Dem Ort ist anzusehen, dass er für Touristenströme angelegt ist. Fünf große Parkplätze geben Raum für die neugierigen Besucher. Über allem thront auf der Bergkuppe eine Burg aus dem 13. Jahrhundert. Sie zieht ganze Reisebusse voller Interessierter an. Zumindest stellen wir uns das so vor. Denn jetzt Anfang Oktober hat sich hier eine sonderbare Stille über alles gelegt. Die Parkplätze bleiben leer. Die Gaststätten rund um die Burg auch. Das Jahr ist zu ende.
Absurderweise rauschen dann am Abend wie aus dem Nichts noch acht riesige Wohnmobile aus allen Ecken Deutschlands an und okkupieren den Parkplatz über nacht. Ihre Besitzer scheinen gerade von der Fähre aus Ancona zu kommen. Sie verbreiten noch ein wenig Aufregung. Dann veziehen sich alle in ihre fahrbaren Häuser. Es wird still. Als wir am nächsten Morgen aufwachen, ist der Parkplatz schon wieder leer. Das Jahr ist vorbei, die Wohnmobilisten fahren nach Hause, im Dorf kehrt Ruhe ein. Wir genießen die Stille und machen einen Tag Pause. Für uns geht das Jahr auch in Italien noch ein wenig weiter.
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